Aromatherapie – Entspannungsmethode oder Hokuspokus?

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Eien Frau riecht an Lavendel ©Lumi-Images_Romulic-Stojcic

Aromatherapie gehört zu Wellness und Entspannungsmethoden fest dazu. Laut Naturheilkunde hat sie auch Vorteile für dein körperliches und geistiges Wohlbefinden. Ein kleiner Einblick in die Welt der Aromatherapie.

Was ist Aromatherapie?

Aromatherapie ist die Behandlung verschiedener Beschwerden oder die Steigerung des Wohlbefindens mit den Düften ätherischer Öle. Ob bei Stress, Schlafproblemen oder anderen Themen – die Düfte der ätherischen Öle sollen zur Linderung beitragen.

Ihre Effekte und Grundlagen sind wissenschaftlich bisher nicht zweifelsfrei bewiesen, sondern basieren auf überlieferten und aktuellen Erfahrungen von Naturheilkundlern. Schon die alten Ägypter extrahierten in aufwändigen Verfahren die Essenzen aus Heilpflanzen und verwendeten sie zu allerlei Zwecken.

Die Therapie mit ätherischen Ölen ist Teil der Naturheilkunde, genau genommen der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und wird gerne als Ergänzung zur klassisch wissenschaftlich begründeten Medizin genutzt.

Grundlage der Aromatherapie und der Pflanzenheilkunde ist ein holistischer Blick auf den Menschen. Körper, Geist und Seele werden als Einheit betrachtet und sollen über die Wahrnehmung des Duftes mit der Nase sanft wieder in Einklang gebracht werden.

Das klingt erstmal abstrakt, aber sicher hast du unbewusst auch schonmal eine Art Aromatherapie gemacht: Erkältungsbad zur Entspannung der Atemwege, Massageöle und Duftlampen, die zu Weihnachten für eine festliche Stimmung sorgen sollen, sind eine Art der Aromatherapie.

frau riecht an zitronenmelisse
©westend61

Wer darf Aromatherapie durchführen?

Die offizielle Behandlung mit Aromatherapie ist in Deutschland bestimmten Berufsgruppen vorbehalten. Obwohl ätherische Öle keine anerkannten Arzneimittel sind, dürfen nur Ärzte oder Heilpraktiker Aromatherapie anbieten.

Was bringt Aromatherapie?

Ziel der Aromatherapie ist die Aktivierung der körpereigenen Selbstheilungskräfte. Der Duft von Lavendel erinnert dich an einen entspannten und unbeschwerten Sommerabend im Urlaub? Dann ist es wahrscheinlich das ätherische Lavendelöl, das genau diese Erinnerung weckt. Ob das nun wirklich die Selbstheilungskräfte aktiviert, ist wie gesagt wissenschaftlich nicht erwiesen.

Dennoch hat Aromatherapie einen klaren Vorteil: Sie erfordert, dass du dir Zeit für dich nimmst und deine Aufmerksamkeit ganz ins Hier und Jetzt bringst. Das ist wie eine kleine Meditation und kann dir helfen, zu entspannen1.

Unser Lesetipp: Du wolltest schon immer meditieren lernen, weißt aber nicht, wo du anfangen solltest? Dann helfen dir unsere Tipps.

Meditieren lernen

Wie funktioniert Aromatherapie?

Basis der Aromatherapie ist immer der Duft eines bestimmten ätherischen Öls. Diese können durch zum Beispiel Duftlampen verteilt, auf das Kopfkissen gesprüht oder als Öle direkt verwendet werden. Eine Übersicht der jeweiligen Einsatzmöglichkeiten empfiehlt der Heilpraktiker.

Ätherische Öle enthalten die Essenz der jeweiligen Pflanze in hoch konzentrierter Form. Diese werden durch mechanisches Auspressen, verschiedene Extraktionsformen oder Wasserdampfdestillation aus den relevanten Pflanzenteilen gewonnen.

Über den Geruchssinn werden sie im limbischen System des Gehirns wahrgenommen. Dort werden Emotionen verarbeitet. Je nachdem, ob du mit dem Geruch eine positive oder eine negative Assoziation verbindest, wird laut den Vertretern der Aromatherapie also deine Stimmung beeinflusst2.

Ätherische Öle sind allerdings auch immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. So wurde zum Beispiel nachgewiesen, dass die Hauptwirkstoffe des Lavendelöls das Stressempfinden im Gehirn reduzieren können3.

Hochwertige ätherische Öle enthalten außerdem Terpene, Pflanzenstoffe, die laut chinesischen Forschern bei einem Waldspaziergang das Immunsystem stärken sollen4. Ob sie diese Wirkung auch in ätherischen Ölen haben, ist wissenschaftlich aber nicht bewiesen.

Wie läuft Aromatherapie ab?

Es gibt nicht die eine immer richtige Form der Aromatherapie. Möchtest du eine richtige Aromatherapie machen, lasse dich von Experten, wie Ärzten oder Heilpraktikern beraten. Sie sagen dir, welches Öl zu dir passt, was du beim Kauf beachten solltest und wie du es richtig anwendest.

Gemeinsamkeit aller Formen der Aromatherapie ist, dass du deinen Geist auf die Wahrnehmung des Duftes fokussierst und versuchst, ganz bei dir zu sein.

Eine Frau meditiert
©Westend61

Kann man Aromatherapie selbst machen?

Ätherische Öle sind in Apotheken, Biomärkten oder in vielen ökologischen Läden frei verkäuflich. Apotheker dürfen beraten, welches Öl sich für welchen Anwendungszweck eignet. Grundsätzlich kannst du also ganz einfach ätherische Öle kaufen und zu Hause den Duft des jeweiligen Öls genießen und von den positiven Sinneseindrücken profitieren.

Obwohl naturreine ätherische Öle in Bio-Qualität quasi Natur sind, solltest du dich gut informieren. Nicht jedes Öl ist für den Verzehr oder die Anwendung auf der Haut geeignet. Naturreine ätherische Öle sind oft hoch konzentriert und dürfen nur verdünnt angewendet werden.

Auch auf die Qualität der ätherischen Öle kommt es an: Je nachdem ob du naturreine oder synthetische Düfte, in aus konventionellen oder Bio Anbau, verdünnt oder unverdünnt und so weiter kaufst, unterscheiden sich die Anwendungsmöglichkeiten.

Jedes ätherische Öl hat seinen ganz besonderen Anwendungszweck, der sich je nach Aufbereitung und Konzentration unterscheiden kann. Auf gut Glück mit puren ätherischen Ölen zu experimentieren, ist keine gute Idee5. Informiere dich also über die Wirkung und Anwendung im Vorfeld.

Nichts falsch machen kannst du mit ätherischen Ölen, die in Massageölen und Badezusätzen vorkommen oder für eine Duftlampe vorgesehen sind.

Welches Öl für welche Stimmung?

In der klassischen Aromatherapie werden bestimmte Düfte mit bestimmten Stimmungen assoziiert. Experimentiere doch einfach mal mit Duschgel, Badezusatz, Körperöl oder Duftlampe, ob der Duft ätherischer Öle einen Einfluss auf deine Stimmung hat.

Die 5 gängigsten Düfte und ihre Anwendungsfelder laut Naturheilkunde

  • Lavendel zum Entspannen und Schlafen
  • Tanne oder Pinie zum Entspannen
  • Pfefferminze zur Erfrischung und für die Atemwege
  • Organe für Leichtigkeit und Stimmung
  • Rose, um in Balance und Harmonie zu bleiben

Fazit

  • Aromatherapie ist eine Form der Naturheilkunde, die ätherische Öle nutzt, um über den Geruchssinn das individuelle Wohlgefühl zu steigern und bestimmte Beschwerdebilder zu lindern.
  • Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Die angenommenen Effekte und Anwendungszwecke basieren auf Erfahrungswissen aus der Naturheilkunde und Phytotherapie.
  • Ätherische Öle beinhalten hochkonzentrierte Essenzen von Heilpflanzen und sollten richtig angewendet werden. Lasse dich also immer von Experten eines medizinischen Berufs beraten, statt auf gut Glück mit ätherischen Ölen zu experimentieren.

Artikel-Quellen

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  • 1Yim VW, Ng AK, Tsang HW, Leung AY. A review on the effects of aromatherapy for patients with depressive symptoms. J Altern Complement Med. 2009 Feb;15(2):187-95. doi: 10.1089/acm.2008.0333. PMID: 19216657
  • 2Thomas DV. Aromatherapy: mythical, magical, or medicinal? Holist Nurs Pract. 2002 Oct;16(5):8-16. doi: 10.1097/00004650-200210000-00005. PMID: 12465213.
  • 3Aromatherapie: Zwischen rationaler Therapie und Esoterik. In: Deutsche Apotheker Zeitung. 06/2004, Nr. 25 S. 43
  • 4Li Q, Morimoto K, Kobayashi M, et al. A forest bathing trip increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins in female subjects. J Biol Regul Homeost Agents. 2008;22(1):45-55.
  • 5Lis-Balchin M. Possible health and safety problems in the use of novel plant essential oils and extracts in aromatherapy. J R Soc Promot Health. 1999 Dec;119(4):240-3. doi: 10.1177/146642409911900407. PMID: 10673845.