„Der Sport hat mich aus dem Krankenhaus geholt!“

Von: foodspring Editorial Team

Als sie drei Jahre alt war, machte sie den ersten Spagat. Mit 10 Jahren Flic-Flac. Mit 15 bestprämierte Turnerin auf Landesebene. Und mit 16 verbrennt ihr Körper zu 40 %.

Nach fast vier Monaten im künstlichen Koma ist für Julie Bourges plötzlich alles anders. Wieso der 12. Februar dennoch weit mehr für sie ist, als der Tag eines schrecklichen Unfalls und wie gerade Instagram nicht nur ihr dabei geholfen hat neues Selbstbewusstsein zu tanken, erzählt sie in ihren ganz eigenen, persönlichen Worten.

Kapitel 1: Karneval

„Jetzt ist das Ganze genau vier Jahre her…“

In meinem Gymnasium haben wir Karneval gefeiert. Zusammen mit einer Freundin haben wir uns als Schäfchen verkleidet. So richtig mühevoll, mit diesen weißen Wattebäuschchen von oben bis unten. Wir hatten eine Menge Spaß. Als wir am Ende des Tages im Bus zurückfahren, fragt mich meine Freundin, ob wir noch vor dem Haus meiner Eltern eine Zigarette rauchen wollen. In unserem Versteck – wir waren ja gerade mal 16. Und da rauchten wir also.

Kapitel 2: Der Unfall

„Und dann ging alles ganz schnell…“

Auf einmal schaut mich meine Freundin an und schreit: Du brennst, du brennst! Und da waren die Flammen schon überall. Angefangen bei meinen Füßen. Und blitzartig brannte mein ganzes Kostüm bis hoch zu meinem Hals. Ich bin aufgesprungen und bin gerannt. Ich bin gerannt und gerannt. Habe laut Hilfe, Hilfe! gerufen. Eine Nachbarin versuchte mich zu löschen, mir mein Kostüm vom Körper zu schneiden.

„Ich war bei vollem Bewusstsein.“

Aber da war nur noch ein kleiner Teil meiner Ärmel übrig. Mir war aber überhaupt nicht klar, was um mich herum passierte. Und dann spritze mich die Feuerwehr mit Wasser ab. Das war der absolute Horror. Ich war aber so unter Adrenalin, dass ich aus eigener Kraft zum Krankenwagen gegangen bin. Erst als sie mir die Maske aufgesetzt haben und mich ins künstliche Koma schickten, verliert sich meine Erinnerung.

Kapitel 3: Böses Erwachen

„Wo sind meine Eltern?“

Das war mein erster Gedanke als ich aufwache. Das war am 31. April. Ich hatte natürlich keinen Schimmer, dass so viel Zeit vergangen war. Als meine Eltern endlich im Zimmer stehen, beginnt der schwierigste Moment: Sie erzählen mir, was passiert war, der Unfall, dass ich über zweieinhalb Monaten im künstlichen Koma gelegen habe. Ich wehre alles ab, glaube einfach nicht, was sie mir alles versuchen zu erzählen.

Kapitel 4: Spiegelbilder

„Dann gibt mir die Krankenschwester einen Spiegel…“

Sie hält ihn mir direkt vors Gesicht. Und mir wird klar: Meine langen Haare sind weg. Mein Kopf ist komplett kahl rasiert. Weil die Ärzte unversehrte Haut für die Transplantation brauchten. Meine Arme, dick wie meine Faust in Verbandszeug verpackt. Vorher war ich das süße blonde Mädchen, das allen gefiel. Mein Aussehen war mir unglaublich wichtig. Ich hatte so viel Gymnastik gemacht. Jetzt konnte ich nicht mal mehr aufrecht stehen.

„Ich wog gerade noch 31 Kilo.“

Ich habe insgesamt fast vier Monate nur gelegen. Neben meinem Krankenbett hatte ich ein Foto stehen, auf dem ich einen Kunstsprung mache. Mein Chirurg sagte, dass ich diesen Sprung nicht vor dem Sommer 2016 machen könne.  Und ich habe gedacht: Auf keinen Fall! Also habe ich schon im Krankenhaus wieder begonnen Handstand zu machen. Ich bin zuerst auf meinen Händen gelaufen. Jedenfalls solange mich meine Beine nicht tragen konnten.

Kapitel 5: Hartes Training

„Ich musste wieder komplett neu laufen lernen.“

Ich habe meinen Bauch trainiert, mich gedehnt. Nicht wegen der Muskulatur, sondern wegen meiner Haut. Denn mit den Transplantationen ist das so: ohne Bewegung verhärten die Hautstellen. Und das hätte mich maßgeblich eingeschränkt. Ich war super stolz, als ich den Krankenhausflur von ganz hinten bis nach vorne laufen konnte, ohne Krücken, ohne Schwindel, ohne hinzufallen. Ich habe also nicht nur meine Fitness trainiert.

Kapitel 6: Sportsfreund

„Sport hat mir geholfen mein Selbstbewusstsein zu steigern.“

Als ich nach über fünf Monaten aus dem Krankenhaus entlassen wurde, habe ich sofort wieder mit der Gymnastik begonnen. Flips und Sprünge – ich habe mich selbst herausgefordert. Von den ersten Schritten in diesem Flur bis heute war es natürlich ein weiter Weg. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich mich jemals damit so auseinandersetzen könnte. Dass ich so stark sein würde, so frei über diese Fotos sprechen zu können.

„Fitness ist kein Wettbewerb, sondern ein Wettkampf mit mir selbst.“

Deshalb lege ich noch etwas Gewicht drauf, ich pushe noch etwas mehr. Ich übertreffe meine eigenen Ziele. Wenn ein anderes Mädchen mehr Bizeps oder mehr Bauchmuskeln hat als ich, ganz ehrlich, das ist mir voll egal. Wenn ich mich im Spiegel anschaue, dann blicke ich heute auf mich. Nicht auf den Körper einer anderen.

„Mit diesen 3 Tipps fällt der Sport leichter…“

1. Keine Angst haben. Vor dem Sport, den eigenen Schwächen und der Angst, neues zu beginnen.

2. Aufhören alles aufzuschieben. Wer nichts anfängt, wird auch nichts erreichen.

3. Bei sich selbst bleiben. Nicht von anderen beurteilen lassen. Mein Arzt sagte, ich könne keinen Sport mehr machen. Zum Glück habe ich nicht darauf gehört.

Kapitel 7: Der Phönix

„Mein Unfall war wie eine Wiedergeburt.“

Ich trage meinen Phönix auf dem Rücken. Ich sehe ihn nicht oft. Aber ich weiß, dass er da ist. Ich bin eine ganz andere Person geworden. Ich schäme mich nicht für meine Narben. Ich bin stolz auf sie. Der Unfall war eine große Erschütterung, ein großer Schmerz. Ich hatte Schwierigkeiten damit, meine Narben zu zeigen, habe versucht im Gym T-Shirts zu meiden. Ich hatte riesige Probleme mir das alles einzugestehen.

„Mein Instagram hilft mir ungemein.“

Ich habe mich geöffnet, um mich selbst zu befreien. Offen zu sprechen. Meine Narben zu zeigen. Meine Geschichte zu erzählen. Mit meinen Fotos zeige ich anderen, dass ich zu mir stehe und mir helfen sie, mein Selbstbewusstsein weiter zu stärken. Ich will zeigen, dass trotz der Dinge, die uns passieren und die wir nicht auf Anhieb verstehen, wir anpacken und weitermachen müssen. Das möchte ich nicht für mich behalten. Ganz ehrlich.

Kapitel 8: Selbstliebe

„Klar ist mein Body mein Buddy!“

Ich fühle mich wohl in meinem Körper, ich bin kaum krank. Ich spüre, was meinem Körper gut tut. Ganz einfach, weil ich weiß was es heißt, wenn der eigene Körper eben nicht der beste Freund ist. Wir wissen alle, wie schlecht normales Krankenhaus-Essen ist: oft ohne Proteine. Das macht den Körper fertig. Vor dem Workout esse ich deshalb einen Proteinriegel, der hilft mich zu pushen. Ich merke einfach, dass mein Körper jetzt ganz laut Danke! schreit.

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©foodspring

„Auf diese 3 Dinge achte ich bei meiner Ernährung…“

1. Viel, viel, viel trinken. Mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag. Ich mache mir große Flaschen fertig. Mit frischer Zitrone. Super lecker! Und voll mit wichtigen Vitaminen und Mineralien.

2. Zwischen den Mahlzeiten keine ungesunde Sachen naschen. Am Nachmittag esse ich oft einen Cookie Dough Riegel. Die sind einfach zu gut! Das bringt mich durch den Rest des Tages.

3. Auf proteinreiche Nahrungsmittel achten. Mein absoluter Favorit ist Avocado mit geräuchertem Lachs. Mein Instagram ist voll davon.

Kapitel 9: Lebenselixier

„Den Unfall nochmal erleben? Ich würd’s machen!“

Vor zwei Jahren hätte ich gesagt: Ich möchte die Zeit zurückdrehen, alles ungeschehen machen. Aber heute sage ich: Ich möchte nichts ändern. Mir geschehen in meinem jetzigen Leben so viele gute Dinge, dass der Unfall selbst ganz klein wird. Wenn ich zurückblicke, dann sehe ich nicht den Unfall allein, sondern den Weg den ich seitdem gemeistert habe. Mein Credo habe ich selbst mal aufgeschrieben:

„La vie vaut la peine d’être vecue.“

Du möchtest mehr über Julie erfahren?

Auf Instagram erzählt sie täglich neu aus ihrem Leben. Zur Zeit arbeitet sie in einem Skigebiet in den französischen Alpen, um im nächsten Schritt ihr Diplom zum ausgebildeten Fitnesscoach zu absolvieren. Damit möchte Julie anderen Menschen helfen, sich durch den Sport selbst zu akzeptieren, wenn sie in den Spiegel schauen.

Denn Julie hat zwei Ziele im Leben:

„Ich möchte einen guten Job machen und dabei glücklich sein.“

Wer sein Ziel fest vor Augen hat, kann alles erreichen. Wie motivierst du dich in schweren Momenten? Erzähl’s uns unten in den Kommentaren. Wir sind gespannt auf deine Antwort!

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