Eine Frau trägt Kopfhörer

Binaurale Beats: Mehr Konzentration und Schlaf dank Schallwellen?

Von: Kristina Lauer
Fitness Editor & Fitness Trainerin
Kristina ist studierte Kommunikationsexpertin und lizensierte Fitness-Trainerin. Sie schreibt unsere Fitness-Artikel und erstellt kostenlose Workout-Pläne.

Jetzt gibt es etwas auf die Ohren! Binaurale Beats sollen durch ihre Klänge für mehr Produktivität sowie besseres Gedächtnis sorgen und sogar gegen Schlafstörungen helfen. Wir haben mal genauer hingehört und verraten dir, worum es sich dabei handelt und welche Wirkung dem Phänomen nachgesagt wird.

Was sind binaurale Beats?

Dass Klänge einen Einfluss auf uns haben, ist nichts Neues. Wenn du mal schlechte Laune hast, kann ein Lieblingslied manchmal Wunder bewirken und für bessere Stimmung sorgen oder schöne Erinnerungen wieder zum Leben erwecken. Und das ist kein Zufall! Erinnerungen sind oft an bestimmte Musikstücke gekoppelt. Wir können uns an Ereignisse oder Informationen besonders gut erinnern, wenn sie mit positiven oder negativen Emotionen verknüpft sind. Und genau das ist bei Musik der Fall. Sie wird meistens mit Emotionen verbunden1.

Auch Musikhören beim Sport kann eine Auswirkung auf dich haben und dich richtig motivieren! Plötzlich kannst du beim Workout noch mehr Power geben. Das Gleiche gilt auch für Entspannung. Langsame Beats können helfen, einen Gang runterzuschalten und den Alltagsstress hinter dir zu lassen. Deine Atmung beruhigt sich und die Herzfrequenz wird langsamer.

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Was ist binaural?

Hast du schon mal was von binauralen Beats gehört? Bereits im Jahr 1839 hat der deutsche Physiker, Heinrich Wilhelm Dove, das Phänomen entdeckt. Dabei handelt es sich um eine spezifische Sinneswahrnehmung von Schallwellen mit zwei unterschiedlichen Frequenzen. Das Wort binaural bedeutet “mit beiden Ohren” und bezieht sich in diesem Kontext darauf, dass sowohl das linke als auch das rechte Ohr die Beats separat wahrnehmen.

Wie entstehen binaurale Beats?

Binaurale Beats entstehen, wenn du von links und rechts ähnliche Frequenzen wahrnimmst, die sich leicht voneinander unterscheiden. Diese unterschiedlichen Frequenzen werden gleichzeitig gehört, wobei eine Überlagerung der Schallwellen im Gehirn stattfindet. Wir nehmen zwar Geräusche mit unseren Ohren wahr, aber die eigentliche auditive Wahrnehmung passiert im Gehirn. Das bedeutet, dass die binaurale Töne nur in unserer inneren Wahrnehmung vorhanden sind und eine Art akustischer Täuschung sind.

Zum Beispiel: Wenn du mit dem linken Ohr einen Ton in Höhe von 220 Hertz und mit deinem rechten Ohr gleichzeitig eine Frequenz von 224 Hertz hörst, solltest du den Unterschied von 4 Hertz in Form von binauralen Beats wahrnehmen können. Dein Gehirn kreiert also Schallwellen mit einer Frequenz von 4 Hertz. Übrigens: Die Einheit Hertz steht für die Anzahl der Schwingungen eines Tons pro Sekunde.

Der amerikanische Biophysiker Dr. G. Oster hat auf dem Gebiet weiter geforscht und fand heraus, dass Binaural Beats nur dann wahrgenommen werden können, wenn sie unterhalb der Frequenz von 1.500 Hz produziert werden. Außerdem stellte er fest, dass der Unterschied der beiden Frequenzen kleiner als 30 Hz sein muss, damit binaurale Beats Erfahrungen für Menschen möglich sind2.

Binaurale Beats sind selbst bei einer sehr niedrigen Lautstärke und Frequenz unterhalb der 20 Hz für Menschen wahrnehmbar2. Zum Vergleich die menschliche Hörspanne bei einem normalen Gehör umfasst den Bereich von 20 bis 20.000 Hertz. Je kleiner die Zahl desto tiefer ist der Ton. So kannst du die binauralen Beats selbst bei einer sehr niedrigen Lautstärke erfahren, die für uns Menschen nicht hörbar ist.

Übrigens: Kopfhörer für binaurale Beats sind notwendig, sonst kannst du diese Erfahrung nicht machen. Dabei muss es sich um Stereo-Kopfhörer handeln. Damit können deine Ohren die unterschiedlichen Frequenzen auch separat von links und rechts wahrnehmen und binaurales Hören wird gewährleistet.

Ein Mann macht Sport mit Kopfhörern
©jacoblund

Was bringen binaurale Beats?

Auch im menschlichen Gehirn entstehen je nach Aktivität Wellen in unterschiedlichen Frequenzbereichen und lassen sich zum Beispiel mithilfe von einem EEG-Gerät, das am Kopf angebracht wird, messen. Ein Elektroenzephalogramm zeigt anschließend die Aktivität der Nervenzellen in Form von Wellen.

Der Verlauf dieser Wellen hängt davon ab, ob du gerade schläfst oder wach bist und ob du konzentriert oder müde bist. So ist die Frequenz hoch, wenn du gerade konzentriert lernt. Denn du verarbeitest auch in dem Moment viel Information. Wenn du schläfst oder meditierst, sinkt die Frequenz der Gehirnwellen dementsprechend3.

Die Idee hinter dem bewussten Einsatz von binauralen Beats ist, dass das Gehirn sich durch sie beeinflussen lassen soll. Bestimmte binaurale Beats Frequenzen sollen in der Lage sein, die jeweilige Person gezielt in einen Ruhe- oder Aktivitätszustand zu versetzen, indem die entsprechende Frequenzdifferenz im Gehirn entsteht.

Deine 5 Gehirnfrequenzen3

Je nach deiner Aktivität erzeugt dein Gehirn Wellen in den jeweiligen Frequenzbereichen:

Delta-Wellen (0,5 bis 3,5 Hz)
Diese langsam verlaufende Wellen synchronisieren den Tiefschlaf. Das ist der Zustand, indem du nicht träumst, und ist für einen erholsamen Schlaf von Bedeutung. In dieser Zeit schüttet dein Körper Hormone aus, die für deine Erholung und Reparatur deiner Zellen notwendig sind.

Theta-Wellen (4 bis 7 Hz)
Sie entstehen beim Einschlafen oder wenn du sehr müde bist.

Alpha-Wellen (8 bis 13 Hz)
Hier befindest du dich in einem wachen Zustand, während deine Augen geschlossen sind zum Beispiel beim Meditieren oder beim Tagträumen.

Beta-Wellen (14 bis 30 Hz)
Diese Wellen zeigen sich bei geöffneten Augen, wenn du Sinnesreize aus deiner Umwelt wahrnimmst und geistig aktiv bist.

Gamma-Wellen (über 30 Hz)
Wenn du dich konzentrierst und intensiv lernst, entstehen Gamma-Wellen. Hier können Produktivität und Kreativität aufeinander treffen und für mentale Bestleistungen sorgen.

Ausreichender Schlaf für den Muskelaufbau
©iStock/Geber86

Binauralen Beats wird nachgesagt, dass sie bei der entsprechenden Frequenz positive Auswirkungen haben können. So sollen Binaural Beats Konzentration fördern, indem sie eine Person in den Gamma-Wellen Zustand versetzen. Umgekehrt können sie auch für Entspannung sorgen und gegen Schlafstörungen dank niedrigen Frequenzen helfen.

Binaurale Beats Wirkung: Was sagt die Studienlage?

Die Wirkung binauraler Beats ist noch umstritten. Viele Studien beschäftigen sich mit dem Phänomen und testen, inwieweit das Menschen helfen kann.

Binaurale Beats Konzentration und Stimmung

Eine Studie4 hat getestet, ob und welche Auswirkung binaurale Beats im Beta-,Theta- und Delta-Frequenzbereichen auf die Stimmung und die Leistung beim Lösen von Aufgaben auf die Probanden haben. Dabei mussten 29 Teilnehmer an drei verschiedenen Tagen 30 Minuten lang Aufgaben lösen, während sie entweder Beats im Beta-Bereich (16 und 24 Hz) oder im Theta/Delta-Bereich (1,5 und 4 Hz) im Hintergrund gehört haben.

Die Präsentation von binauralen Beats im Beta-Frequenzbereich hatte mehr korrekt gelöste Aufgaben zufolge, als die im Theta/Delta-Frequenzbereich. Zusätzlich berichteten die Studienteilnehmer, dass sie bei den Beats im Beta-Frequenzbereich bessere Laune hatten. Die Ergebnisse deuten daraufhin, dass binaurale Beats im Beta-Bereich für eine bessere Leistung und Stimmung sorgen.

Binaurale Beats Schlaf

Eine Pilotstudie5 hat untersucht, ob binaurale Beats im Delta-Wellen-Bereich zu einer besseren Schlafqualität und Sport-Performance bei Fußballspielern führen können. 15 Sportler wurden 8 Wochen lang während des Schlafens den Beats ausgesetzt. Nach dem Aufwachen fühlten sie jedes mal Fragebögen darüber aus, wie gut sie geschlafen haben und wie motiviert sie sich fühlen. Die Kontrollgruppe von 15 Sportstudenten hörten keine Beats, fühlten aber die gleichen Fragebögen aus.

Nach 8 Wochen konnte man eine Verbesserung der eigenen wahrgenommenen Schlafqualität bei den Fußballspielern beobachten. Eine Leistungssteigerung beim Sport wurde nicht verzeichnet. Um das herauszufinden, scheint der Zeitraum von 8 Wochen zu kurz zu sein. Es besteht Bedarf nach weiteren Untersuchungen.

Ein mann schaut auf seinen Laptop
©Peopleimages

Binaurale Beats Lernen

Eine weitere Studie6 hatte das Ziel, den Effekt binauraler Beats auf das Langzeitgedächtnis zu untersuchen. Den Studienteilnehmern wurden die Augen verbunden, damit sie sich nur auf auditive Reize konzentrieren. Nach dem sie sich entweder Beats aus dem Beta- (20 Hz) oder Theta-Frequenzbereich (5 Hz) oder weißes Rauschen als Kontrollbedingung angehört haben, mussten sie Aufgaben lösen. Dabei mussten sie sich an Sachen erinnern oder etwas wiedererkennen.

Bei den Beats im Beta-Frequenzbereich gab es die meisten richtigen Antworten. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Wellen im Beta-Bereich das Gedächtnis verbessern und eventuell als Tool beim Lernen verwendet werden können.

Binaurale Beats Depression oder Stress

Inwiefern binaurale Beats im Alpha-Bereich für Entspannung und Stressreduktion sorgen können, wurde in der folgenden Untersuchung7 erforscht. Zu diesem Zweck wurden 102 Probanden in drei Gruppen aufgeteilt: (1) Audio-Beschallung mit binauraler Stimulation, (2) Audio-Beschallung ohne binaurale Stimulation und (3) keine akustische Beschallung.

Vor und nach einer 20-minütigen Stimulation wurde die körperliche Entspannungsreaktion der Probanden in Form von Herzrate, Atemfrequenz und ausgewählte Parameter der Herzratenvariabilität gemessen. Die Ergebnisse haben jedoch keine Veränderungen zeigen können.

Wie gefährlich sind binaurale Beats?

Sind binaurale Beats gefährlich? Für die meisten Menschen scheinen sie keine Gefahr darzustellen. Personen, die unter epileptischen Krampfanfällen leiden, werden binaurale Beats jedoch nicht empfohlen. Bei epileptischen Krampfanfällen sind die Gehirnwellen besonders hoch und steil im Vergleich zu gesunden Personen3. Auch im Fall von Nervenerkrankungen solltest du deinen Arzt kontaktieren.

Wichtig: Wenn du Bedenken hast, ob binaurale Beats für dich gut sind, solltest du dich von einer Fachperson oder einem Arzt beraten lassen.

Fazit

  • Wenn du leicht unterschiedliche Frequenzen im linken Ohr und in deinem rechten Ohr gleichzeitig hörst, gleicht dein Gehirn diese Differenz aus und es entstehen binaurale Beats
  • Es gibt 5 unterschiedliche Gehirnfrequenzen, die sich je nach deiner geistlichen Aktivität ändern
  • Mithilfe binauraler Beats sollen sich laut einigen Untersuchungen deine Schlafqualität, Konzentration und das Gedächtnis verbessern
  • Das Phänomen ist wissenschaftlich noch nicht gut genug erforscht, um eindeutige Aussagen über seine Wirksamkeit treffen zu können
Artikel-Quellen
Wir bei foodspring verwenden nur qualitativ hochwertige Quellen sowie wissenschaftliche Studien, die unsere Aussagen in Artikeln stützen. Lies hierzu auch unsere Editorial Richtlinien durch Erfahre, wie wir Fakten prüfen damit unsere Artikel immer korrekt, verlässlich und vertrauenswürdig sind.
  • 1Prof. Dr. Ralf Rummer, Universität Erfurt (2015): Werden Erinnerungen durch Musik schneller wach?

    https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/werden-erinnerungen-durch-musik-schneller-wach

  • 2www.binauralbeats.de

  • 3https://www.gesundheitsinformation.de/was-passiert-bei-einer-elektroenzephalografie-eeg.3195.de.html

  • 4James D. Lane A. und Stefan J. Kasian A. (1998): Binaural Auditory Beats Affect Vigilance Performance and Mood.

    https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0031938497004368

  • 5Vera Abeln und Jens Kleinert (2013): Brainwave entrainment for better sleep and post-sleep state of young elite soccer players – A pilot study.

    https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/17461391.2013.819384

  • 6Miguel Garcia-Argibay, Miguel A. Santed & José M. Reales (2017): Binaural auditory beats affect long-term memory.

    https://link.springer.com/article/10.1007/s00426-017-0959-2

  • 7Georg Schamber, Eva Meinicke und Thomas Schäfer (2015): Stressreduktion durch Binaurale Stimulation? Eine experimentelle Untersuchung zum Effekt einer Alpha-Stimulation auf die psychophysiologische Entspannungsreaktion.

    https://econtent.hogrefe.com/doi/pdf/10.1024/1016-264X/a000155

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