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Spermidin im Fokus: Was steckt dahinter?

Freie Journalistin
Carina ist freie Journalistin und schreibt unsere Lifestyle- und Ernährungs-Artikel

Spermidin – das mag vielleicht nicht vielen etwas sagen. Und tatsächlich lässt dieser Begriff Fragen offen. Nicht nur, weil er der breiten Masse bisher nicht unbedingt bekannt ist, sondern auch, weil das Rätsel darum trotz einiger wissenschaftlicher Studien noch immer nicht vollständig gelöst ist. Deswegen gehen wir dem Ganzen hier Schritt für Schritt auf die Spur und wollen herausfinden, warum das Interesse an dieser Substanz überhaupt immer weiter steigt.

Was ist Spermidin?

Kurz gesagt: Spermidin ist ein biogenes Polyamin, was nach heutigen Erkenntnissen in allen Körperzellen vorkommt und dort als Botenstoff agiert. Auch unsere Darmbakterien stehen damit in Verbindung, weil sie es synthetisieren. Spermidin hat verschiedene Funktionen im Zellstoffwechsel, wobei bis dato nicht alle vollständig geklärt sind. Unter anderem ist es daran beteiligt, zelluläre Reinigungsprozesse zu induzieren bzw. aktivieren.

Interessant ist, dass die Menge an Spermidin im menschlichen Organismus eben nicht konstant ist. Sie kann sich aufgrund natürlicher Gegebenheiten verändern. Ein beschleunigter Stoffwechsel etwas durch eine Schwangerschaft, Sport, Fasten oder auch akute Infektionen kann den Spermidinspiegel erhöhen. Der Gehalt des Polyamins nimmt im Laufe des Lebens ganz natürlich ab.

Spermidin in der Wissenschaft

Spermidin hat das Interesse der Wissenschaft durchaus geweckt und steht nicht selten im Fokus der Forschung. Zum Beispiel, wenn es darum geht, herauszufinden, ob die Substanz in irgendeiner Weise bei Therapieverfahren gegen Infektionskrankheiten eingesetzt werden könne. Außerdem ist man neugierig, ob das biogene Polyamin wirklich Demenz vorbeugen kann und womöglich ein Jungbrunnen ist, der zu Vitalität und jugendlichem Aussehen verhilft.

Auch wenn diverse Studien bereits wichtige Erkenntnisse liefern, sollten zu diesem Zeitpunkt noch keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Wie Spermidin genau wirkt und wie sicher eine zusätzliche Einnahme davon überhaupt ist, ist nach wie vor nicht verbindlich geklärt, weil die nötigen Belege und aussagekräftige Daten an Menschen fehlen.

Einen kleinen Einblick in die Forschung rund um Spermidin wollen wir trotzdem wagen. Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene vermuten zum Beispiel aufgrund ihrer Untersuchungen in Zell- sowie Tiermodellen, dass das Polyamin die Darmgesundheit steigern und eine zudem eine Art Immun-Booster sein könne. Mit dieser Erkenntnis erhofft man sich, künftig Therapiemöglichkeiten gegen entzündliche Erkrankungen zu verbessern.

Die preSmartAge-Studie an der Charité hat sich hingegen mit Spermidin in Hinblick auf Demenz auseinandergesetzt und hinterfragt, ob hier eine Supplementation effektiv sein könnte. Im Gegensatz zur Placebo-Gruppe soll sich die Gedächtnisleistung bei denen, die Spermidin-Nahrungsergänzungsmittel erhielten, moderat verbessert haben, wie es aus einem Bericht im Journal “Cortex” hervorging.

Aus aktuellem Anlass dürfte man auch bei einer Laborstudie hellhörig werden, die die Wirkung von Spermidin auf Corona-Viren näher betrachtete. Zwar gelang es, die Reinigung und einen natürlich Abwehrmechanismus der infizierten Zellen anzustoßen, allerdings warnt die Verbraucherzentrale vor voreiligen Schlüssen. Die Ergebnisse seien nämlich nicht auf den Menschen übertragbar.

Spermidin hält die Wissenschaft also weiter auf Trab und wir dürfen davon ausgehen, künftig noch mehr darüber zu erfahren und herauszufinden, welches Potenzial darin steckt. Was sicherlich noch auf der Agenda der Forscher steht ist die Bioverfügbarkeit des Polyamins. Fraglich ist nämlich, wie hoch der Anteil von oral eingenommenen Spermidin ist, der letztendlich ins Blut gelangt.

Spermidin in Lebensmitteln

Wir wissen ja bereits, dass Spermidin im menschlichen Körper vorkommt. Es ist aber auch in bestimmten Lebensmitteln zu finden. Weizenkeime, Sojabohnen, Erbsen, Pilze, Kartoffeln, reifer Käse, Äpfel und Nüsse enthalten zum Beispiel relativ viel davon.

Unser Tipp: Du kannst und willst nicht auf Nüsse verzichten? Das können wir natürlich nachvollziehen. Von allem etwas findest du in unserer “Nüsse & Beeren Mischung”, die außerdem eine gute Menge an hochwertigen Proteinen, essentiellen Fettsäuren und Vitaminen bereithält. Lecker und gesund!

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Du magst dich jetzt vielleicht fragen, ob eine spermidinreiche Ernährung nun in irgendeiner Art und Weise positive Auswirkungen auf den Körper oder die Gesundheit haben kann. Das können wir an dieser Stelle leider nicht beantworten, aber immerhin beschäftigt auch diese Frage die Wissenschaft. Ein internationales Forscherteam im Rahmen des K-Projekt VASCage hat sich zum Beispiel damit beschäftigt, ob ein Speiseplan voller Spermidin die gesunde Lebensspanne eines Menschen verlängern könne.

Inwieweit sind Nahrungsbestandteile überhaupt in der Lage, systemisch Einfluss auf Alterungs- und/oder Entzündungsprozesse zu nehmen? Das und mehr stand im Fokus dieser Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass diejenigen Probanden, die über die Ernährung mindesten 80 Mikromol Spermidin pro Tag zu sich führten, ein geringeres Risiko aufwiesen, im zwanzigjährigen Beobachtungszeitraum zu versterben.

Rund fünf Jahre soll der Überlebensvorteil von spermidinreicher Ernährung sein, wenn es nach Jungforscher Raimund Pechlaner geht. Aber warum soll das überhaupt funktionieren können? Die Annahme ist auf die bereits erwähnte Fähigkeit von Spermidin zurückzuführen, den Selbstreinigungsprozess von Zellen anzuregen, der im Alter ja eigentlich an Effizienz verliert. Aber eben durch diesen wichtigen Prozess namens Autophagie können Krankheitserreger oder nicht mehr funktionelle Zellbestandteile abgebaut und verwertet werden.

Bei der Hoffnung auf ein langes Leben sollten aber trotzdem nicht voreilig alle Karten auf Spermidin gesetzt werden. Aktuelle epidemiologische Ergebnisse und Experimente können noch keine definitiven Beweise liefern, wofür letztendlich Interventionsstudien erforderlich sind.

Spermidin in Nahrungsergänzungsmitteln

Langsam, aber sicher scheint sich Spermidin auch einen Namen als Nahrungsergänzungsmittel zu machen, online findet man es jedenfalls mittlerweile von verschiedenen Anbietern in Kapselform. Es kann sogar schon mal vorkommen, dass es auf bestimmten Plattformen mit angeblichen Anti-Aging-Effekten jeglicher Art vermarktet wird, obwohl gesundheitsbezogene Werbeaussagen derzeit gar nicht zugelassen sind.

Aber was ist hierbei eigentlich erlaubt? Supplements mit Spermidin dürfen an Erwachsene verkauft werden, wobei Schwangeren und Stillenden von der Einnahme abgeraten wird. Die Höchstmenge an Spermidin liegt bei sechs Milligramm pro Tag. Ob dessen langfristige Einnahme risikofrei ist, ist noch unklar. Außerdem gut zu wissen: Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, kann davon ausgehen, neben wichtigen Nährstoffen auch Spermidin ausreichend zu sich zu nehmen.

Spermidin: Fazit

  • Spermidin ist biogenes Polyamin, das im menschlichen Organismus ganz natürlich vorkommt.
  • Die Substanz ist in einigen Lebensmitteln enthalten und kann dementsprechend auch oral eingenommen werden.
  • Spermidin gibt es mittlerweile auch als Nahrungsergänzungsmittel, wobei zum aktuellen Zeitpunkt nicht klar ist, ob eine zusätzliche Zufuhr wirklich positive Effekte auf den Körper und die Gesundheit haben kann.
  • Spermidin hat die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich gezogen. Unter anderem wollen Forscher herausfinden, inwiefern sich das Polyamin auf das Gedächtnis und das Immunsystem auswirkt.
  • Warum Spermidin so interessant ist? Es ist mitverantwortlich dafür, den Reinigungsprozess von Zellen zu aktivieren.
Artikel-Quellen
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  • Verbraucherzentrale (Stand 16.02.2021): Jungbleiben mit Spermidin?

    https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/jungbleiben-mit-spermidin-51804#:~:text=(2016)%3A%20Autophagie%3A%20%E2%80%9ESelbstverst%C3%BCmmelung,%2D1469%20%2F%20C%2D146.&text=Smollich%2C%20M.,Mit%20Spermidin%20gegen%20COVID%2D19

  • Medizinische Universität Innsbruck ( Stand 16.02.2021): Neue Studie: Spermidinreiche Ernährung hält den Menschen länger jung

    https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/719834.html

  • Universitätsmedizin Mainz (Stand 16.02.2021): Polyamine beeinflussen Darmgesundheit positiv

    https://www.unimedizin-mainz.de/presse/pressemitteilungen/aktuellemitteilungen/newsdetail/article/polyamine-beeinflussen-darmgesundheit-positiv.html?type=98

  • Pharmazeutische Zeitung (Stand 16.02.2021): Spermidin als Autophagie-Induktor

    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/spermidin-als-autophagie-induktor-115977/seite/2/

  • Nils C. Gassen et. al. (2020):  Analysis of SARS-CoV-2-controlled autophagy reveals spermidine, MK-2206, and niclosamide as putative antiviral therapeutics

    https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.04.15.997254v1

  • Ernährungsmedizin (Stand 16.02.2021): Charité-Studie: Mit Spermidin gegen COVID-19

    Charité-Studie: Mit Spermidin gegen COVID-19

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