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Macht Hunger dich wirklich wütend? Das sagt die Wissenschaft

Frau und Mann streiten sich

Überall lauern Situationen, die uns schnell auf die Palme bringen können. Das Squat Rack im Gym ist seit Ewigkeiten besetzt von der Person, die ein Selfie nach dem anderen macht. In die volle U-Bahn steigt noch eine ganze Schulklasse dazu. Dein Arbeitskollege hat am Freitag um 17:00 Uhr noch ein dringendes To Do für dich. Genervt sein ist menschlich. Wenn du aber kurz davor bist, zu explodieren, solltest du dich fragen: hast du heute genug gegessen? Negative Emotionen wie Wut und Reizbarkeit können durch Hunger hervorgerufen und verstärkt werden, wie Forschende der Anglia Ruskin University belegen konnten. Du kennst es bestimmt – der Magen knurrt und deine Laune geht in den Keller. Ein Gefühl, das auch als “hangry” bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus “hungry”, hungrig und “angry”, wütend. Eine aktuelle Studie, erschienen im Fachjournal Plos One, konnte zeigen, dass dieses Gefühl keine Einbildung sein muss. Die perfekte Rechtfertigung für alle, die schnell die Fassung verlieren, wenn sie das Mittagessen auslassen? Nicht ganz! Denn Studienautor und Sozialpsychologe Viren Swami, PhD, gibt einen klaren Ratschlag: “Don’t go hungry!”

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Macht Hunger wirklich wütend?

Was du vielleicht schon anhand deiner eigenen Erfahrung vermutet hast, ist laut dieser Studie ein klarer Fakt. Hangry zu sein, ist keine Einbildung. Negative Emotionen wie Wut, Reizbarkeit und verringertes Empfinden von Freude können durch Hunger hervorgerufen und verstärkt werden. Warum dieser Zustand allerdings hervorgerufen wird, ist noch unklar. Eine der Hypothesen, welche von Forschenden aufgestellt wurden, benennt den niedrigen Blutzucker als Ursache. Weitere Forschung ist an dieser Stelle notwendig.

Raus aus dem Labor – eine alltagsnahe Studie

Die Forschenden untersuchten die Hypothese, dass Hunger signifikant mit erhöhter Wut, Reizbarkeit, Erregung und verringertem Empfinden von Freude verbunden ist.

Die Studie ist eine der ersten, welche die Zusammenhänge von Hunger und negativen Emotionen außerhalb des Labors untersucht und die Empfindungen der Teilnehmenden in Alltagssituationen erfasst. Dafür wurde die Experience-Sampling Methode (ESM), auch ökologische Momentaufnahme genannt, genutzt. Mit Hilfe einer App nahmen die 64 Teilnehmenden – 52 davon Frauen, primär aus Deutschland und Österreich – fünfmal täglich an kurzen Umfragen teil. Drei Wochen lang machten sie Angaben zu ihren Emotionen und ihrem Hungergefühl. Die Methode macht es im Gegensatz zu Laboruntersuchungen möglich, Längsschnittdaten zu erfassen, die nicht auf einen Messzeitpunkt begrenzt sind.

In der Auswertung berücksichtigten die Wissenschaftler*innen das Alter, Geschlecht, BMI und Essverhalten der Teilnehmenden, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu untermauern.

Was bedeutet das für dich?

Wieder einmal wird deutlich, dass deine Körperwahrnehmung für einen gesunden Alltag unumgänglich ist. “Es ist wirklich wichtig, Gefühle wie Hunger zu erkennen, damit wir die negativen Auswirkungen abmildern können“, sagt Swami.

Dein Essverhalten und dein Rhythmus sind individuell und müssen zu deinem Alltag passen. Wann und wie du isst, kann nicht pauschalisiert werden, großen Hunger solltest du allerdings nicht aufkommen lassen. Wir wissen, dass das oft leichter gesagt als getan ist. Der Alltag kann stressig sein und dein Essverhalten negativ beeinflussen. Damit du trotzdem nicht in die hangry-Falle tappst, empfehlen wir dir, vorbereitet zu sein. Du kannst deine Mahlzeiten vorbereiten und immer einen Notfall-Snack dabei haben. Dafür eignen sich Nüsse, Obst oder kleingeschnittenes Gemüse.

Unser Fazit

Wut und Reizbarkeit können deinen Alltag in vielen Hinsichten negativ beeinflussen. Abgesehen davon, dass sie dein allgemeines Wohlbefinden verschlechtern und deine Laune in den Keller geht, können dir diese negativen Emotionen deine Motivation, deine Konzentration und deine Energie rauben. Also tu dir einen gefallen, und vermeide das hangry Phänomen! So tust du nicht nur dir, sondern auch deinen Mitmenschen einen Gefallen. Denn auch die haben es nicht verdient, mit deiner hangry Seite konfrontiert zu werden, nur weil du im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf dein Bauchgefühl gehört hast.

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